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Wadim berichtet über die Ereignisse bis zum Jahr 1991:   Teil 1, Kapitel 6       

Wissarion
Wissarion

Bildnis des Metropoliten Nikolai        Bildnis der Mutter Miriam
Bildnisse des Metropoliten Nikolai und der Mutter Maria  (s. unten)

    Drei Versuchungen ~ Erste Schritte des Selbstbewusstwerdens ~ 60 Tage Fasten

1. Im Sommer 1989 aber ging jede Berührung mit den schmutzigen Wegen der menschlichen Gesellschaft ihrem Ende entgegen.

2. Denn etwas Geheimnisvolles und Mächtiges näherte sich den Türen von Sergejs Haus, und Sein Herz fühlte dies und verlangte, dass dieser Schritt fest und unabwendbar getan wurde.

3. Das erlaubte es dem Menschensohn, sich völlig in die Welt der Erschaffung des Wunderbaren zu stürzen und sich zu den Höhen einer seligen Welt aufzuschwingen.

4. Und unbemerkt kam die Stunde des Frühlings des nächsten Jahres heran - der Frühling, in dem sich das Geheimnisvolle und Mächtige mit seinen Anzeichen im Herzen des Menschensohnes bemerkbar machte.


5. Sergej sollte bis zum Moment Seines wahren Erwachens durch drei Versuchungen gehen, die bestimmt waren, die Wahrnehmung des Augenblicks der Vorbestimmung würdig vorzubereiten.

6. Eines Frühlingstages fiel Sein Blick auf eine Notiz, die von den unermüdlichen Abenteuern wissbegieriger Brüder berichtete, die sich in Gebieten der Mutter Erde aufhielten, in denen (physikalische - Anm. d. Übers.) Anomalien auftraten, so auch in der Umgebung der Stadt Perm. Und dort hätte auch ein Kontakt mit einer ihnen unbekannten Welt stattgefunden.

7. Die nichtmenschliche Welt hatte dem Bewusstsein der neugierigen Erdenmenschen eröffnet, dass die Menschheit ein trauriges Sakrament erwarte.

8. Nach den Worten dieser Welt hätte der Mensch die Möglichkeit zur Rettung bereits verloren, denn er habe in sich eine schadenbringende Kraft entwickelt und sie zu gewaltigem Ausmaß gebracht.

9. Und dieses leidbringende Sakrament erwarte das Menschengeschlecht in den nächsten Jahren.

10. Der Menschensohn ließ diese Notiz nicht unbeachtet, Er nahm sie bis in die Tiefe Seiner Seele auf. Und Sein Antlitz wurde finster und Er versank in tiefes Nachdenken.

11. Zu dieser Zeit fiel es Ihm schwer, in der gemütlichen Werkstatt zu sitzen. Und so warf Er sich Seinen Mantel um und strebte in den nicht weit vom Haus entfernten Hain, um sich ein Urteil über diese Vorgänge zu bilden. Dabei bemerkte der Menschensohn nicht einmal den Regen, der in den Aufschlag Seines Mantels rann.

12. Und mit der Zeit entfachten diese Worte das Feuer in Seinem Herzen immer mehr.

13. Und aus Seiner vom flammenden Feuer brennenden Brust drang ein Schrei in die Weiten des Alls: "Nein! Es muss einen Ausweg geben für die Menschheit und die Möglichkeit zur Rettung ... Es gibt sie!"

14. Diese Worte sagte der Menschensohn wie jemand, der das Wissen darüber besitzt, obwohl Er ja anscheinend in diesem Moment den Weg dazu noch nicht kannte. Und das Feuer in Seiner Brust beruhigte sich wieder.


15. Bald darauf erschien eine neue Versuchung vor Sergej, als Er im Zusammenhang mit Seiner schöpferischen Tätigkeit in dem Dorf Nikolo-Petrowka verweilte, das nicht weit von Minusinsk entfernt liegt, um Seinen Vorrat an Materialien für Tischlertätigkeiten aufzufüllen.

16. Während einer Erholungspause ging Er allein zum Ufer des Flusses und betrachtete die Berge, die das Dorf umgaben.

17. Und da schien es Ihm, als wäre Sein Blick nicht mehr der Seine, sondern - der Blick eines fremden Wesens, das einen Blick auf die Formen der bergigen Hügel eines fremden Planeten warf, den es zum ersten Mal besuchte.

18. Als Er den Blick jedoch den Gebäuden zuwandte, stellte Sein Bewusstsein klar die Hässlichkeit und Primitivität des menschlichen Daseins fest.

19. Außerdem ertönte eine stumme Frage im Bewusstsein des Menschensohnes: "Sieh nur, siehst Du denn nicht, dass hier nichts ist, was sich zu retten lohnt?"

20. Und natürlich überfiel Ihn großer Kummer, als Er die Wahrheit über das gewaltige Ausmaß des Unglücks erkannte, in dem sich das Menschengeschlecht befand.

21. Doch das Feuer der Seele stürmte erneut in die Weiten des Alls - ein Feuer, das die Möglichkeit der Rettung der Menschen bestätigte. Danach trat die Versuchung zurück.


22. Einige Tage später, immer noch zu Beginn des aufblühenden Frühlings, erreichte Sergej die Nachricht, dass sich der Vorsteher einer Kirche in Abakan, der Gottesdiener Olympius, unbedingt mit Ihm treffen wolle.

23. Während dieses Treffens auf dem Gelände der Kirche erzählte Olympius, wie er einmal nach Hause gekommen war, zufällig den Fernseher eingeschaltet und eine Sendung über den Minusinsker Maler Sergej gesehen hatte.

24. Als er einige Seiner Bilder gesehen hatte, hatte Olympius in sich etwas Bestätigendes gefühlt, das ihn veranlasst hatte, Sergej zum Bemalen der Wände der Kirche aufzurufen, deren Vorsteher er war.

25. Sergej erklärte sich damit einverstanden, und gemeinsam begannen sie, die notwendigen Bedingungen zur Durchführung der Malarbeiten zu besprechen.

26. Für den Anfang mussten zwei Heiligenbilder gemalt werden, deren Ausmaße überlebensgroß waren und die sich außerhalb der Kirche auf beiden Seiten der Eingangstür befinden sollten. Und das waren Abbilder von dem Metropoliten und Wundertäter Nikolai und der Heiligen Mutter Maria.

27. Während des Treffens mit Olympius in einem Nebenzimmer des kleinen Gebäudes, in dem sich auch das Kabinett des Kirchenvorstehers befand, wurde gerade eine Taufe vorbereitet. Diejenigen, die dieses Sakrament annehmen wollten, waren bereits eingetroffen und hatten im Voraus einen bestimmten Preis dafür bezahlt.

28. Zu Beginn der Zeremonie kam Olympius darauf zu sprechen, dass er dieses Sakrament für Sergej kostenlos durchführen könne.

29. Als der Diener, der berufen war, das Ritual der Taufe zu vollziehen, bald darauf ins Kabinett des Vorstehers blickte, fragte er Sergej mit Eile und einer gewissen Belustigung, ob Er bereit wäre, das Sakrament der Taufe anzunehmen.

30. Das Falsche und Geschäftige, das der Diener ausstrahlte, berührte das Herz des Menschensohnes in beunruhigender Weise, und Seine Beine rührten sich nicht von der Stelle.

31. Und Er erklärte dem vor Ihm Stehenden, dass Ihm etwas in Seinem Inneren nicht erlaube, diesen Schritt in Eile zu tun.

32. Doch Er erklärte sich mit der Aussage von Olympius einverstanden, dass es notwendig sei, die Taufe anzunehmen, bevor die Zeit zum Bemalen der Altarteile der Kirche herangekommen wäre.


33. Es begann das Sakrament der Schöpfung, das immer mit einem Versinken in jene Welt einherging, über deren Thema Er Abbildungen schaffen wollte.

34. Etwas Verwandtes und Wundervolles erwachte immer mehr in Seinem Herzen beim Betrachten verschiedener Heiligenbilder, die zu verschiedenen Zeiten von Menschenhänden aufgezeichnet worden waren.

35. Und einmal sah der Menschensohn das Antlitz des lebendigen Metropoliten Nikolai für einen Augenblick vor sich und Er hielt es eiligst auf dem Papier fest.

36. Dieser Augenblick wurde das Signal für den Beginn der Herstellung des Bildes, und bald berührte der erste Farbstrich den vorbereiteten Untergrund.

37. Sergej hielt sich nicht an die formalen Bedingungen der Ikonenmalerei, sondern schuf ein lebendiges Bild und ließ Nikolai auf einer Wolke wandeln und einen leichten Wind seine Gewänder berühren.

38. Als die Arbeit an dem ersten Bild beendet war, trat Olympius unter das Dach von Sergejs Werkstatt und bemerkte leicht lächelnd, nachdem er das Bild lange betrachtet hatte: "Ich habe mich nicht in dem Künstler getäuscht."

39. Der Schöpfungsprozess hielt an, und bald, im Monat Mai, war das zweite Bild beendet - die Mutter Maria, ebenfalls auf einer Wolke wandelnd.

40. Die Werke wurden zur Kirche geschafft, und nach einigen Tagen sollten sie am vorgesehenen Platz an der Wand der Kirche befestigt werden.


41. Und zu dieser Zeit erwartete den Menschensohn die dritte Versuchung.

42. Damals kannte Er bereits seit sechs Jahren das Sakrament des Familienlebens mit Seiner Frau namens Ljubow (Liebe - Anm. d. Übers.), die, soweit das möglich war, die Verbindungsschnur zwischen Ihm und der menschlichen Gesellschaft war,

43. Denn Sein Bewusstsein, das sehr von dieser Welt losgelöst war, machte Ihn in vielem unfähig, unter den normalen Bedingungen eines gewöhnlichen Menschen zu leben.

44. In diesen Fällen hatte Ljuba durch ihre Handlungen das Fehlende aufgefüllt, wobei sie anfangs oft verwirrt gewesen war von den seltsamen Reden ihres Mannes.

45. Sie lebten bescheiden, so wie es eben die nur gelegentlichen Einkünfte erlaubten, und schon das sechste Jahr träumten sie davon, nach Krasnodar zu reisen, um die Verwandten Sergejs kennen zu lernen und die Schönheit des Kubans zu bewundern.

46. Viele Male war Ljuba während der Erzählungen des Gatten in ihrer Vorstellung durch diese Orte gereist, doch die Möglichkeit, diese Reise zu verwirklichen, hatte sich nie ergeben,

47. Denn die Welt des Menschensohnes war jener Welt, von der diese Möglichkeit abhing, ganz fremd.

48. Im letzten Jahr der beschriebenen Ereignisse rückte diese Reise noch mehr in die Ferne, denn Sergej hatte jegliche gesellschaftliche Arbeit eingestellt, und Ljuba erwartete die Geburt ihres zweiten Kindes.

49. Doch am Ende des Winters des Jahres 1990 erhielt Sergej für eines Seiner Bilder plötzlich eine Geldsumme - die genau so groß war, dass die bescheidene Reise der Familie nach Krasnodar möglich wurde.

50. Die Freude war groß, und sie bewahrten die Summe auf in der Überzeugung, dass sich der Traum erfüllen würde, sobald der Sommer einträfe.

51. Und bald kam es dazu, dass Sergej im Monat Mai fast ebensoviel Geld für die auf Bestellung der Abakaner Kirche erschaffenen Heiligenbilder erhielt.

52. Die Zuversicht in die Verwirklichung der Reise der Familie erhöhte sich, und Ljuba beschränkte sich nicht mehr, sondern traf die Vorbereitungen für diese Fahrt und gab die eingegangenen Mittel nach Bedarf aus.


53. Doch eine Woche nachdem Sergej zum letzten Mal auf dem Hof der Abakaner Kirche gewesen war, schickte Ihm Olympius ein Auto und bat um ein Zusammentreffen.

54. Sergej traf sich mit Olympius im Kabinett, wo noch immer die von Ihm gemalten Bilder standen. Im Verhalten des Kirchenvorstehers sah Er jedoch eine schlecht verborgene Verlegenheit wegen einer ihn bedrückenden Peinlichkeit.

55. Und Olympius begann darüber zu berichten, dass jene, denen er die Bilder bereits gezeigt hätte, mit den Werken unzufrieden wären.

56. Er entrüstete sich, dass die Heiligen mit nackten Füßen auf Wolken gängen, dass ihre Gewänder im Winde wehten, dass die Hände des Wundertäters Nikolai zu groß wären - wie bei einem Bauern, und nicht so fein und edel, wie sie bei einem Heiligen sein müssten. Und überhaupt hätten alle gemeint, dass das Gesicht von Nikolai ihm nicht ähnlich wäre.

57. Während dieses Redeschwalls sah Sergej klar die ganze Absurdität dieses Vorgangs, und Bitterkeit berührte Sein Herz.

58. Er erkannte sofort, dass Er vor eine Wahl gestellt wurde: entweder würde man von Ihm verlangen, das Geschaffene zu berichtigen oder, wenn Er keine Änderungen vornähme, die bereits erhaltene Bezahlung zurückzugeben und Seine Werke wieder mitzunehmen.

59. Um aber die schon erhaltene Summe zurückzahlen zu können, hätte Er, in Anbetracht jener Ausgaben, die im Rahmen der Vorbereitung auf die bevorstehende Reise bereits getätigt worden waren, das gesamte Geld, das der Familie zu diesem Zeitpunkt noch verblieben war, hergeben müssen.

60. Entweder würden die Träume zerrinnen, oder Sergej würde jenes Abbild verraten müssen, das Er gesehen und geschaffen hatte, und somit hätte Er einen Schritt gegen Sein Herz tun müssen.

61. Der Preis dieser Versuchung, unbewusst von dem Diener Olympius geschaffen, war dem Menschensohn sehr wohl bewusst.

62. Und nur leise ertönten kurze Sätze aus Seinem Mund als Antwort an den wartenden Auftraggeber: "Ich werde nicht ein Haar ändern. Ich kann das Bild, das Ich selbst gesehen habe, nicht verraten."

63. Danach begleitete Er die geschaffenen Abbilder noch am selben Tag nach Hause, wo eine nicht geringe Prüfung die schwachen Schultern Seiner Frau belastete.

64. Die Abrechnung in der umgekehrten Richtung wurde vorgenommen und der Familie verblieben keine Mittel zur weiteren Existenz.


65. Am nächsten Tag aber, nachdem Er eine Fernsehsendung über Heiligtümer gesehen hatte, die auf Friedhöfen in Russland zerstört und geschändet worden waren, betrat Sergej mit tiefem Schmerz im Herzen die Werkstatt.

66. Und, während Er in tiefem Nachdenken und Kummer verblieb, spürte Er, wie sich etwas Großartiges in Ihm entwickelte, erwachte und erhob.

67. Im nächsten Moment begann Glockenklang den Raum Seines Zimmers zu erfüllen.

68. Und Weihrauchgeruch berührte sanft Seine Sinne, in den Ohren aber erklang ein ruhmreicher Gesang himmlischer Stimmen.

69. Und aus Seinem Inneren stürmte das Mächtige und warf die Hülle von sich, die bisher dieses Feuer zurückgehalten hatte. Tränen netzten das Antlitz des Menschensohnes. Die vorherbestimmte Erleuchtung hatte sich erfüllt!


70. Es begannen die ersten Schritte der Selbsterkenntnis, selbstständige und schwere Schritte.

71. Wie ein kleines Kind, das sich seiner selbst bewusst wird, aber noch nicht gehen kann, sich plötzlich in einer Wüste in Einsamkeit befindet, so erbebte auch der erwachte Menschensohn bald vor Einsamkeit, denn es gab keinen stützenden Halt.

72. Und Er hörte nicht mehr auf die elterliche Stimme, sondern die Kraft, die immer mehr in Ihm erwachte, wurde zu Seinem stützenden Halt.

73. Und wie das kleine Kind in der Märchenwelt nicht in Tagen sondern in Stunden wächst, so stärkte sich auch bald der Menschensohn beim Betreten des Weges zur wahren Taufe aus der Hand Seines Himmlischen Vaters.

74. Und so ging Er mit festen Schritten, und das Überwinden der vielfältigen Versuchungen, die Ihm von überall entgegenstrebten, füllte Ihn nur immer mehr an mit der mächtigen Kraft.

75. Gewaltige Schwierigkeiten versperrten Ihm den Weg, denn Er war allein, Seine Nächsten aber betrachteten Ihn nur wie einen, der den Verstand verloren hat.


76. Doch die feierliche Stunde näherte sich unabweislich, vor deren Beginn der Menschensohn in langes Fasten versank, das sich über sechzig Tage hinzog.

77. Durch ein besonderes Sakrament wusch dieses Fasten Seinen Körper rein und bereitete Ihn auf den strahlenden Moment vor, der lange erwartet worden war.

78. Zum Ende der Fastenzeit aber nahm der Vater Seinen geliebten Sohn in Seine großartige, strahlende, gesegnete Obhut,

79. Damit Sein Sohn sich der Welt zu erkennen gebe, einer fremden Welt, die Er heilen und richten sollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

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